«Es gibt Möglichkeiten für Utopien»

  19.05.2022 Kirchen

Selbstverantwortete Kirchgemeinden – inwieweit ist das eine Utopie? Der katholische Theologe Dr. Hermann Häring aus Tübingen machte in Romanshorn Mut, auch neue Wege zu gehen.

Vielleicht ist die Frage in Deutschland brennender als hierzulande: «Sind selbstverantwortete Kirchgemeinden (in der Schweiz sind mit Kirchgemeinden Pfarreien gemeint) möglich, realistisch oder bleiben sie (weiterhin) Utopie?» Professor Dr. Hermann Häring ist katholischer Theologe, hat Philosophie und kath. Theologie studiert und ist Verfasser zahlreicher Publikationen. Und er stellte am Mittwoch, 11. Mai, diese Frage zur Zukunft der (katholischen) Kirche: «Dass die Mitgliederzahlen permanent abnehmen, hat auch mit historischen Umbrüchen und deren weitreichenden, gesellschaftlichen Folgen zu tun. Stichworte dazu sind etwa «Autoritätsverlust und verpasste Chancen respektive eigentliche Reformblockaden», spannte er den Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart.

Nutzen für die Gemeinde
Gleichwohl ist für ihn die Entkirchlichung mitnichten mit einem Glaubensschwund gleichzusetzen. Der Ruf nach Spiritualität ist nach wie vor für viele, eher noch mehr, Menschen wichtig: Etwa, wenn sie ihren Blick auf die Gottesfrage, auf ihre Gottesbilder richten: «Für mich hat die Zukunft der (Kirch-)Gemeinden beispielsweise mit dem paulinischen Modell im Korintherbrief zu tun. Kriterium für ein Amt ist der Nutzen für die Gemeinde. Schlüsselfrage ist auch die Freiheit der Gemeinde, wie im Galaterbrief aufgezeigt – und auch die Präsenz der Menschen vor Ort. Dereinst wird es Versorgungsgemeinden geben, wo die spirituellen Aufgaben Schwerpunkte bilden, kreative Gemeinden, wo zum Beispiel Ausweitung der Liturgie und unbefangene Fantasie wichtig sind – und Pioniergemeinden, die interreligiös und politisch unterwegs sind.»

Neue Wege
Christliche Zukunft heisst für ihn eine mit Vision, die mitten im Leben ist und konkretes Handeln vor Ort ermöglicht. Wer sich von innen und aussen Fragen nach und zu Gott stellen lässt, der bewegt sich «und kann schwimmen», kommt vorwärts: «Wer fragt, macht sich auf den Weg. Und solche Wege und eben auch Utopien gibt es. Wir müssen sie gehen.»

Markus Bösch


Am Mittwoch, 25. Mai, besteht die Möglichkeit, sich genau darüber auszutauschen und zu diskutieren: Welche Fragen blieben? Können wir neue Schritte wagen und wie? Was könnte das konkret für die Pfarrei/ Kirchgemeinde heissen?
Interessierte treffen sich um 19.30 Uhr im Pfarreisaal, Schlossbergstrasse 24.

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