«Kokainjahre» von Marina Jung
16.04.2026 Kolumnen, Uttwil , Salmsach, RomanshornMarina Bruggmann

«Kokainjahre» von Marina Jung – ein Buch, das unter die Haut geht
Stellen Sie sich vor: Ihr begabter Sohn, 22 Jahre jung und voller Zukunft, probiert an einer Party Kokain. Aus dem fröhlichen Studenten wird schnell ein Gefangener der Droge. Marina Jung erlebt diesen Albtraum mit: Vier Jahre Kampf gegen die Sucht ihres Sohnes Benedict, der mit 26 Jahren stirbt. In «Kokainjahre» zeigt sie eine Gefahr, die mitten unter uns lauert – und die viele unterschätzen.
Einfach und ehrlich erzählt sie den freien Fall: Erst die Euphorie, dann die Panik, die Lügen, die Rückfälle. Trotz Therapien, Kliniken und unzähligen Versuchen kommt Benedict nicht raus. Seine eigenen Worte stehen neben Marinas Geschichte als Mutter – voller Scham, Angst und Hilflosigkeit. Sie tauscht heimlich sein Pulver gegen Backpulver aus, doch die Sucht ist stärker. Man spürt die Verzweiflung, die schlaflosen Nächte, die zerbrochenen Träume.
Das Buch geht über das Persönliche hinaus. Marina Jung erklärt klar, warum Kokain so gefährlich ist: Es verändert das Gehirn rasend schnell, macht abhängig, zerstört Beziehungen und Familien. Expertenwissen und Geschichten anderer Betroffener zeigen: Sucht ist eine Krankheit, keine Schwäche. Es kann jeden treffen – den guten Schüler, die fleissige Auszubildende, den netten Nachbarn nebenan.
«Kokainjahre» räumt mit Vorurteilen auf, die in der Gesellschaft kursieren. Viele denken: «Süchtige sind schwach, das passiert nur Obdachlosen oder Kriminellen.» Das stimmt nicht. Kokain greift hellwache, erfolgreiche Menschen – und fordert oft alles: Job, Freunde, Gesundheit, Leben. Das Buch macht deutlich: Früherkennung und Hilfe sind entscheidend. Hinschauen, nicht wegschauen – das ist der Aufruf dieses Buches, das Herzen berührt und Augen öffnet.
