Auf dem Nachttisch von...
24.09.2026 KolumnenMarina Bruggmann
«Ein ganzes halbes Jahr»
von Jojo Moyes …
… ist eine Geschichte über Liebe, Hoffnung, Verlust und den Mut, das eigene Leben neu zu betrachten. Im Mittelpunkt steht Louisa Clark, eine lebensfrohe junge Frau mit aussergewöhnlichem Kleidungsstil und einem scheinbar einfachen Leben in einer kleinen englischen Stadt. Als sie ihren Job verliert, gerät ihre Familie unter finanziellen Druck. Deshalb nimmt Lou «wohl oder übel» eine Stelle an, die ihr zunächst Angst macht. Sie soll sich um Will Traynor kümmern.
Will war einst erfolgreich, abenteuerlustig und voller Energie. Nach einem Unfall ist er tetraplegisch, vom Hals abwärts gelähmt. Dinge, die für andere selbstverständlich sind, kann er nicht mehr ohne Hilfe bewältigen. Sein Leben, das von Freiheit, Reisen und Sport geprägt war, hat sich grundlegend verändert. Er lebt zurückgezogen, ist verbittert und lässt kaum jemanden an sich heran. Lou begegnet er zunächst mit Spott und Ablehnung.
Doch Lou gibt nicht auf. Mit ihrer offenen, chaotischen und warmherzigen Art durchbricht sie langsam Wills Schutzmauer. Aus ersten Gesprächen entstehen gemeinsame Ausflüge, vertraute Momente und eine tiefe Bindung. Lou möchte Will zeigen, dass es trotz seiner Einschränkungen noch schöne Augenblicke und Gründe zum Weiterleben geben kann. Gleichzeitig ermutigt Will sie, ihre Ängste zu überwinden und ihre Wünsche ernst zu nehmen.
Je näher sie sich kommen, desto schmerzlicher wird Lou klar, dass ihre Gefühle Wills Entscheidung nicht verändern können. Er hat beschlossen, sein Leben durch assistierten Suizid zu beenden.
Der Roman erzählt von Selbstbestimmung, Abschied und der schweren Erkenntnis, dass Liebe manchmal auch heisst, loszulassen. Er macht deutlich, dass wir von aussen nie wirklich erahnen können, wie sich ein Leben mit Schmerz, Verlust und Abhängigkeit anfühlt, und dass es uns nicht zusteht, zu urteilen oder für andere zu entscheiden.
