«Endlichkeit annehmen – an Lebensqualität gewinnen»

  05.11.2026 Brennpunkt, Romanshorn

Meret Engel, Klinikseelsorgerin und Leiterin des Palliative Forums Region Romanshorn, sprach am Mittwoch, 28. Oktober, im Regionalen Pflegeheim zum Thema «Leben mit dem Tod». Heimleiterin Susanne Schwizer konnte 40 Besucherinnen und Besucher begrüssen.

«Endlich.menschlich» ist eine Plattform in der Schweiz, die eine menschenwürdige Kultur im Umgang mit dem Lebensende fördern möchte. Unter dem Namen «endlich.menschlich.ostschweiz» setzt «palliative ostschweiz» die Aktion in diesem Jahr erstmals in der Ostschweiz um. Das Palliative Forum Region Romanshorn beteiligt sich mit dieser Veranstaltung an der diesjährigen Aktion zu «Leben mit dem Tod»: «Darum geht es heute Abend, über Verletzlichkeit, Endlichkeit und Vergänglichkeit aus philosophischer und aus theologischer Sicht nachzudenken», sagte Meret Engel. 

War und ist wichtiges Thema
Ob in der griechischen oder buddhistischen Philosophie oder ob in den Religionen: Die menschliche Verletzlichkeit sei immer ein wichtiges Thema gewesen, das verschieden gedeutet und entsprechend unterschiedlich gelebt worden sei: «So schrieb beispielsweise Epikur, die Abwesenheit von Leid genügt, um glücklich zu sein und man soll sich nicht zu viele Gedanken über die Endlichkeit machen. Die Stoiker hingegen betonten die eigene Willenskraft und Disziplin, um sich von der Verletzlichkeit nicht erschüttern zu lassen. Der Philosoph Rene Decartes wiederum sah den Körper als Maschine, die repariert werden kann, weil der menschliche Geist als höherwertig wahrgenommen wurde. Dieser Dualismus hatte wesentlichen Einfluss auf den Umgang mit Verletzlichkeit. In unserem Jahrhundert ist es die Philosophin Corine Deluchon, die festhält: ‹Wir müssen uns auch mit unserer Verletzbarkeit, unseren eigenen Grenzen versöhnen, um den anderen Platz einräumen, die Grenzen des Planeten berücksichtigen zu können.›»

Endlichkeit annehmen
Die Endlichkeit ist auch ein wichtiges Thema in den Religionen: Im Christentum wird sie als Teil des Menschen angenommen und bejaht, weil sich auch Gott verletzlich gezeigt hat.

Der muslimische Schriftsteller Navid Kermani sieht jede Religion als Ressource im Umgang mit Verletzlichkeit, wenn in der Schöpfung und in jedem Atemzug eine Ordnung, etwas Sinnvolles erkannt wird. Sowohl Philosophie als auch Theologie können wertvolle Impulse geben, einen Umgang mit der eigenen Endlichkeit zu finden. Es geht nicht nur darum, möglichst lange zu leben, sondern auch die Tiefendimension des Lebens zu entdecken, wie es der Theologe Byung Chul Han aufgezeigt hat.

«Letztlich», so Meret Engel, «gewinnen wir durch das Annehmen der Endlichkeit an Lebensqualität.» Das sei auch die Haltung von Palliative Care.

Markus Bösch


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