Begeistert über den solidarischen Thurgau

  01.10.2026 Wirtschaft, Romanshorn

Im Thurgau gibt es mithin 21 SoliThur-Gemeinden − auch die Hafenstadt Romanshorn ist seit dem vergangenen Jahr eine von ihnen − und 44 von 69 eingegeben Projekten werden im Rahmen von SoliThur unterstützt: An der Konferenz im Kornhaus in Romanshorn am 24. September war von Fachleuten Inspirierendes zum freiwilligen Engagement zu hören.

Regierungsratspräsident Urs Martin brachte es in seinem Grusswort auf den Punkt: «Ich danke im Namen der Regierung für euer extrem wichtiges Engagement, das wirklich Unterstützung verdient.»

SoliThur ist denn auch das einzige Projekt im sozialen Bereich, das vom seinerzeitigen TKB-Partizipationserlös getragen wird: «Unterdessen zählen wir im Kanton 21 SoliThur-Gemeinden, ein grosser Teil der eingereichten Projekte wird gefördert, finanziell oder fachlich. Und wir sind dran, einen ‹Werkzeugkoffer› zu schaffen – damit Nägel mit Köpfen gemacht werden», sagten Conny David und Steve Stiehler, Projektleiter der Organisation.

Spielräume schaffen
Nach Erläuterungen zur Frage, wie sich in Bezug auf die Freiwilligenarbeit die gesellschaftlichen Strukturen verändert haben, ist für Jakub Samochowiec vom Gottlieb Duttweiler Institut klar: «Unverbindlicheres Handeln ist heute gang und gäbe. Es gilt, den Menschen zu ermöglichen, dass sie sich einfach für ein Projekt begeistern können, dass sie eigene Ideen einbringen können, dass sie auch merken, was Selbstwirksamkeit bewirken kann.» Zusammenhalt in der Gemeinde

Christian Reutlinger, Dozent an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, fokussierte auf die drei Aspekte des solidarischen Handelns, auf Akteure, Formen und Inhalte: «Ich bin überzeugt, dass es heute den Menschen nicht am fehlenden Willen, sondern eher an der (vermeintlich?) knappen Zeit fehlt, sich zu engagieren. Zweitens verändert sich  das solidarische Handeln ganz grundsätzlich, müssen wir uns der Grundfrage stellen: Wo und wie gelingen Begegnung, Zugehörigkeit und Vernetzung. Denn noch immer gilt, Zusammenhalt in der Gemeinde, in der Stadt geschieht auch und vor allem durch freiwillige und engagierte Solidarität.»

Es braucht Menschen, Wirtschaft, Politik
In acht Foren wurden verschiedene Themen mit entsprechenden Fachleuten vertieft diskutiert – beispielsweise wie neue Freiwillige ganz konkret gewonnen werden, wie Wertschätzung und Anerkennung aussehen können, wie soziale Integration funktionieren kann und wie Solidarität Generation-übergreifend passiert.

Mit einem Podium unter der Moderation von Lukas Rösch schloss sich der Kreis: Hanspeter Hutter, GL TKB, Conny David, Felix Meier, Grossratspräsident, und David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung betonten unisono: «Freiwilliges und solidarisches Engagement ist vielfältig und unabdingbar für das Funktionieren unserer Gemeinschaft(en).»

Markus Bösch


Vielfältiges, solidarisches Handeln vor Ort
Seit dem vergangenen Jahr ist Romanshorn als SoliThur-Gemeinde im gleichnamigen Projekt dabei: Mit einem Interview mit dem Stadtrat und einem öffentlichen Mitwirkungs-Workshop wurden über 30 konkrete Beispiele von gelebtem solidarischem Handeln zusammengetragen. Dank einer engagierten Bevölkerung, einer grossen Vereinsvielfalt und gemeinsamen Projekten sind die Bedingungen überaus förderlich. Gleichzeitig werden begrenzte finanzielle und teilweise auch personelle Ressourcen auch erschwerend wahrgenommen. Und Visionen wie generationenverbindende Projekte und niederschwellige Begegnungsorte unterstreichen das Potenzial für ein noch stärkeres solidarisches Zusammenleben. (mb)

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