«Berlin – li – Bern»: Musik verbindet

  01.04.2026 Kultur&Natur, Romanshorn

Caroline Bungeroth war Gast mit «Mutausbruch» beim Bistro-Komitee: Die deutsche Klavierkabarettistin lebt heute in Bern und begeistert in Romanshorn in der Aula Rebsamen.

«Ich atme ein, ich raste noch nicht aus und drehe den Wutausbruch zum Mutausbruch»: Mit diesem Motto hinterliess Caroline Bungeroth nur begeisterte Besucherinnen und Besucher. Am Klavier, mit dem Schwyzerörgeli und ihren stimmgewaltigen Liedern. Dabei erzählt und singt sie aus ihrem Leben als Pfarrerstochter, Mutter und Frau, die dank einer Fernbeziehung – und einer deutschen Bahn, deren Fernverkehr nicht mehr nach Plan funktioniert – von Berlin nach Bern umzieht: «Warum aus Deutschland wegziehen – da genügen nur drei ‹Töne›, ein A, ein F und ein D. Um in der Schweiz anzukommen – da genügten wohl nicht meine Antworten (zum Beispiel, welches die drei berühmtesten Schweizer Berge seien), da brauchte es wohl mein Schwyzerörgeli-Spiel». Sagt es und lädt die Gäste gleich ein, beim Refrain von «Mir Senne hei’s luschtig» mitzusingen.

«Hält uns zusammen»
Überhaupt nimmt der Vergleich der zwei Länder und ihrer sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, die Konfrontation der Berliner mit der Berner Mentalität, breiten Raum ein in ihrem Programm «Mutausbruch»: «In Berlin sagen wir Arschkarte, in der Schweiz heisst das Pechvogelpreis, bei uns heisst es ‹Grossmutti›, bei euch ‹Grosi› − und das tönt doch schon mal ganz anders.» Politisch, aktuell und auch philosophisch wird es allemal bei Wortspielereien, die eigentlich keine solche sind: «Eigentlich brauchen wir – nur in Deutschland ? – viel zu oft ‹Krieg und kriegen: wir kriegen die Krise, wir kriegen das Geld und wir kriegen ein Kind. Viel schöner ist doch: wir frieden ein Kind.»

Sie singt mit einem Augenzwinkern, wählt zu den Inhalten der Lieder die passenden Melodien, um dann das manchmal nervige Gendern mit der «Zauberflöte» in Verbindung zu bringen: «So überragend Mozarts Musik ist – der Text von Schikaneder ist aus heutiger Sicht eine Schikane», sagt es und singt die Arie der Mondkönigin, angepasst an heutige Realitäten.

So wohltuend bissig einzelne Liedtexte daherkommen: Caroline Bungeroth überzeugt auch mit ihrem Optimismus, wenn sie etwa erzählt: «Du musst an den Dingen drehen, bis du ihre beste Seite siehst».

Markus Bösch

 


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