Das mystische Kampfflugzeugwrack im Bodensee

  05.09.2026 Kultur&Natur, Romanshorn

Als im Jahr 1987 das Sportflugzeug mit der Kennung HB-NCL in der Rorschacher Bucht in den Bodensee abstürzte – wo es bis heute liegt –, machte sich der damalige Chef des Seerettungsdienstes, der kürzlich verstorbene Josef Böck aus Rorschach, auf die Suche nach dem Flugzeug.

Tatsächlich entdeckten die Rettungskräfte auf den Bildschirmen ihrer Unterwasserkamera ein Flugzeugwrack. Doch es handelte sich nicht um die abgestürzte HB-NCL, sondern um ein deutsches Kampfflugzeug vom Typ Messerschmitt Bf 109. Der aufziehende Sturm zwang das Team jedoch, die Suche abzubrechen. Seither wurde dieses Flugzeug nicht mehr gesehen.

Viele Jahre auf der Suche
Doch der Reihe nach: In den folgenden Jahrzehnten unternahm Böck immer wieder Versuche, das mysteriöse Wrack erneut zu finden. Dabei erhielt er Unterstützung von verschiedenen Seiten und bezahlte teilweise auch Unternehmen für die Suche. Daraus entwickelten sich im Lauf der Jahre zahlreiche Geschichten, verschiedene Suchteams, viel Herzblut – aber auch viele Misserfolge. Aufgegeben hat Josef Böck jedoch nie.

Unter anderem soll sich ein Fischernetz über dem Wrack befunden haben. Solche illegalen Fischernetze gibt es im Bodensee noch so einige. Im Gegensatz zu regulären Netzen tragen sie keine Plomben oder Kennzeichnungen des Besitzers. Dies kann darauf hindeuten, dass sie absichtlich versenkt wurden, beispielsweise, um sie vor einer Kontrolle zu verstecken.

Auch das vermutete Netz im Suchgebiet wurde schliesslich vom bekannten Wrackentdecker und Berufspiloten Andrew Frauenfelder vollständig entfernt und geborgen. Doch darunter kam nichts zum Vorschein. Selbst im Schlick wurde mit speziell entwickelten Geräten nach dem Wrack gesucht – alles ohne Erfolg.

Die letzte Suche
Erst kurz vor seinem Tod, Anfang 2026, kontaktierte Josef Böck den Wracksucher Silvan Paganini, um vielleicht doch noch den Durchbruch bei der Suche zu schaffen.

Auch Paganini war das mysteriöse Wrack nicht unbekannt. Im Nachlass des vor einigen Jahren verstorbenen Unternehmers Jürg Kammerlander, der im In- und Ausland zahlreiche Wracks gefunden hatte, befand sich eine Art «Schatzkarte». Darauf waren zwölf Positionen verschlüsselt dargestellt. Eine dieser Positionen soll – wie aus den dazugehörigen Unterlagen hervorgeht – die deutsche Messerschmitt Bf 109 sein.

Also machten sich Paganini und der Berufstaucher Roger Eichenberger erneut auf die Suche. Mit einem geschleppten Side-Scan-Sonar wurde das gesamte Gebiet systematisch abgesucht. Mit diesem Verfahren lassen sich auch kleinste Erhebungen und Strukturen auf dem Seegrund erkennen. Die aus der «Schatzkarte» entschlüsselten Positionen wurden zusätzlich mit einem Multibeam-Sonar untersucht und visuell mit einem Tauchroboter abgesucht. Zwar fanden sich auf dem Seegrund zahlreiche Objekte – eine komplette deutsche Messerschmitt Bf 109 war jedoch nicht darunter.

Viele Tage Arbeit flossen in diese letzte grosse Suchaktion. Doch die Messerschmitt blieb verschwunden.

Ein Bodensee-Mythos bleibt
Damit bleibt das mysteriöse Flugzeugwrack ein Bodensee-Mythos. Doch Silvan Paganini erinnert sich an einen der letzten Sätze, die der überzeugte Josef Böck vor seinem Tod gesagt hatte: «I ha zwar scho zwei Schlägli gha, aber ich weiss ganz genau, was i damals gseh ha.»
(«Ich habe zwar schon zwei Schlaganfälle gehabt, aber ich weiss ganz genau, was ich damals gesehen habe.»)

Ob Kammerlander, der die Schatzkarte zur Messerschmitt erstellt hat, tatsächlich das Flugzeugwrack gefunden hat oder ob er die Karte nur anfertigte, um Böck wegen nicht bezahlten Suchkosten zu ärgern, bleibt unbekannt.

Vielleicht liegt die Messerschmitt Bf 109 also noch immer irgendwo auf dem Grund der Rorschacher Bucht.

Redaktion / S. Paganini



 


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote