Häsch gwüsst..., dass Eva Mandelburger bereits mehrere Leben gelebt hat?

  09.07.2026 Kolumnen, Uttwil , Salmsach, Romanshorn

..., dass Eva Mandelburger bereits mehrere Leben gelebt hat? Sozialarbeiterin, Gefängnisaufseherin, Hundeerzieherin – und heute erfüllt sie sich mit ihrer eigenen Hundepension einen lang gehegten Traum.

Eva Mandelburger, eine, die auszog und die Welt entdeckte

Mit grossem Herz für kleine Knacknüsse – oder: Wie Umwege manchmal der direkteste Weg zum Ziel sind.

Mein heutiger Weg führt mich an den Rand von Romanshorn, zu einem Haus mit Garten. Neben dem Schild «Hundebetreuung» steht schon Eva Mandelburger und empfängt mich mit einem strahlenden Lächeln. Über meine erste Frage, wie sie hier gelandet sei, muss Eva Mandelburger nicht lange nachdenken. «Mir wurde bewusst, dass das Leben nicht ewig dauert und ich die Zeit auf dieser Erde wirklich leben möchte.» Hinter diesem schlichten Satz liegt ein Weg, der nicht immer einfach und schon gar nicht geradlinig war.

Körper und Geist rebellierten
Mit zehn Jahren kam Eva Mandelburger aus Kärnten in die Schweiz. Nach ihren ersten Jahren bei den Grosseltern zog sie mit ihrer Mutter, die neu geheiratet hatte. Für das Mädchen bedeutete das einen grossen Einschnitt: eine neue Familie, eine neue Umgebung, eine neue Kultur.

In der Schule wurde sie wegen ihres Dialekts gehänselt, und auch sonst war vieles fremd. Körper und Geist rebellierten, bis sie allmählich neue Perspektiven fand.

Eine davon war die Berufswahl Landschaftsgärtnerin. Obwohl ihr viele davon abrieten und meinten, dieser Beruf sei nichts für ein Mädchen, hielt sie an ihrem Wunsch fest. Beim Gartenbau Breitenbach fand sich schliesslich eine gute Seele: Der Chef gab ihr eine Chance und wurde während dreier Jahre zu ihrem Mentor. «Für jemanden, der ohne Vater aufwuchs, war das wunderbar», erinnert sich Eva Mandelburger. Sie nutzte diese Chance bewies es allen Zweiflern und schloss als erste Frau im Thurgau ihre Ausbildung mit Diplom ab.

Gefühl von Sicherheit vermitteln
Die Neugier auf neue Herausforderungen führte sie später nach Amriswil, wo sie sich zur Arbeitsagogin ausbilden liess, auf eine Reise nach Australien und Neuseeland und schliesslich in den sozialen Bereich, wo sie vorwiegend mit geistig und psychisch beeinträchtigten Menschen arbeitete. Diese Jahre prägten sie. Sie lernte, genau hinzusehen, nicht vorschnell zu urteilen, Verhalten nicht einfach als schwierig abzutun, sondern nach dem zu fragen, was dahinterliegt. Das vertiefte sich noch bei ihrer nächsten Etappe als Aufseherin im Kantonalen Gefängnis in Frauenfeld. Aber sie war noch nicht am Ziel, ihr Herz schlug für etwas anderes: Eva absolvierte eine Ausbildung zur Hundetrainerin und merkte, dass sie damit dem näher kam, was sie wirklich machen wollte. «Ich möchte den Hunden und den Menschen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.» Mit ihren Pudeln hatte sie erfahren, wie schnell gerade kleine Hunde missverstanden werden.

An einem friedlichen Weihnachtsabend liess sie mit ihrem Partner das Leben Revue passieren und plötzlich war klar: Ich wage es. Eva Mandelburger kündigte, und gemeinsam begannen sie, den Stall, der zum Haus gehört, umzubauen. Schritt für Schritt entstand daraus ein liebevoll eingerichteter Ort für kleine Hunde. Einer, an dem nicht einfach betreut wird, sondern aufmerksam wahrgenommen: Wer braucht Nähe? Wer braucht Distanz? Wer muss erst ankommen? Wer zeigt Unsicherheit hinter lautem Auftreten? Dabei helfen ihr immer wieder ihre Erfahrungen aus ihren früheren Jahren. «Schliesslich sind wir alle in unseren Bedürfnissen ähnlich, ob Mensch oder Tier», sagt sie.

Besonders gerne mag sie die Hunde, die nicht sofort zugänglich sind. Kleine Knacknüsse, nennt sie sie. Ihr Vertrauen zu gewinnen und ihnen einen schönen Aufenthalt zu ermöglichen, sei für sie immer wieder eine bereichernde Herausforderung. Dass sie diese wunderbar meistert, kann ich als Besitzerin einer solchen Knacknuss bestätigen.

Eva Mandelburger ist eine Frau, die offen durchs Leben ging und sich immer wieder auf Neues eingelassen hat. Heute scheint vieles von dem,
was sie erlebt und gelernt hat, an diesem Ort zusammenzukommen: ihre Arbeit mit Menschen, ihre Liebe zu Tieren, ihr offener Blick und ihr
grosses Herz. Am Rand von Romanshorn ist so ein Ort entstanden, an dem sich kleine Hunde sicher fühlen dürfen — und ihre Menschen auch.

Sandra von Siebenthal


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