Häsch gwüsst...

  07.04.2022 Kolumnen

… dass Urs Graf seit über 30 Jahren in der Bahnhofapotheke ein und aus gegangen ist?

1985 hat er die (ehemalige Zeller-)Apotheke an der Bahnhofstrasse als Verwalter übernommen. Sieben Jahre später war er der Besitzer.

Wie haben sich diese ersten Jahre gestaltet?
Urs Graf: Das waren herausfordernde, erste Jahre. Direkt nach dem Pharmaziestudium eine Apotheke zu übernehmen, war nicht ganz einfach – galt es doch, auch ein Team zu führen. Dieses Wissen musste ich mir erst aneignen. Und damals waren auch die technischen Abläufe um einiges anders als heute: Alles musste von Hand festgehalten werden, beispielsweise auf Karteikarten. Mein erstes «modernes» Gerät war übrigens ein Kopierer. Am Anfang waren wir zu fünft, heute ist unser Team doppelt so gross.

Was macht eigentlich den Reiz des Apothekerberufes aus?
Ein solches Team braucht es auch, zumal die Arbeit seitdem massiv zugenommen hat. Vor allem in Bezug auf die Administration. Heute gibt es viel mehr Vorschriften, alles und jedes müsse dokumentiert sein. Dadurch bleibt der gesunde Menschenverstand schon auch mal aussen vor.
Und die Kundschaft ist natürlich auch grösser geworden: Gegen 200 Menschen besuchen uns jeden Tag. Sie lassen sich beraten über Symptome und Krankheiten und deren Behandlungsmöglichkeiten. Oder sie suchen das Gespräch darüber, sind in diesem Sinn anspruchsvoller und diskussionsfreudiger als früher. Das macht unseren Beruf spannender und gleichzeitig herausfordernder. Das ist die eine Seite unseres Geschäfts. Dank des angepassten Heilmittelgesetzes und erweiterten Abgabekompetenzen haben Apotheken ganz allgemein an Ansehen und Wichtigkeit gewonnen. Das ist wichtig, stehen wir doch wegen der Selbstdispensation durch Ärzte im Thurgau auch in wirtschaftlicher Konkurrenz. Trotzdem: Zumindest auf dem Platz Romanshorn begegnen wir uns mit Respekt.

Im Moment sind rund ums Haus an der Bahnhofstrasse Gerüste zu sehen. Stecken Sie in einem Umbau?
Zuerst: Ganz klar im Mittelpunkt steht weiterhin die Zufriedenheit der Kunden, die in der Apotheke einen Mehrwert erhalten sollen für ihr Problem oder ihr Anliegen: Der Apotheker soll und will Erstberatungen anbieten. Die Ausbildung in Diagnostik und die Weiterbildung in medizinischen Belangen gewinnen an Bedeutung. Und selbstverständlich wird, wenn nötig, ein Arzt beigezogen oder an den Hausarzt weitergewiesen: Auch darum befinden wir uns momentan in einem grösseren Umbau, der es uns ermöglichen wird, bald zwei Beratungsräume anbieten zu können.
Diesen Mehrwert haben die Kunden auch in den vergangenen zwei Coronajahren erfahren: Zum alltäglichen Betrieb kamen das Testen und Impfen dazu. Da ist das Team der Bahnhofapotheke teilweise an seine Grenzen gestossen. Gleichzeitig haben alle eine überaus grosse Leistungsfähigkeit bewiesen, haben mitgedacht, aufeinander geachtet und einander in dieser herausfordernden Zeit unterstützt: Wir konnten uns aufeinander verlassen. Das waren sehr schöne Erfahrungen.

Und wie sieht die Zukunft dieser Apotheke, der Apotheken generell aus?
In einem kleineren Ort wie Romanshorn eine Apotheke zu führen, ist nach wie vor «cool»: Den Kontakt zu Menschen jeden Alters, von Kindern, Familien bis zu SeniorInnen, pflegen zu können, Wissen und Zusammenhänge weitergeben zu können, das macht diesen Beruf attraktiv. Und vielleicht auch, dass wir schon immer Produkte mit Handarbeit angeboten haben: Das sind die Haus-Spezialitäten, die wir in unserem kleinen Labor entwickelt und gemischt haben. Ich denke an Hustensirupe, Cremes, Halssprays und Nasensalben. Das ist so etwas wie «des Apothekers Stolz» – und das verstärkt auch die Kundenbindung. Ich bin glücklich, dass meine Nachfolgerin Catherine Zahner-Daniel dies weiterführen wird. Und ich bin sehr zuversichtlich für diese Apotheke – die mit allen Dienstleistern im Gesundheitswesen die Patienten in den Mittelpunkt stellt.

Markus Bösch
 

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