Maturapreis der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft für KSR-Schüler
30.06.2026 Schule&Bildung, RomanshornAls herausragend eingestuft von der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft wurde die immersive Maturaarbeit von Johannes Stölzle zur Entwicklung eines autonomen Drohnensystems zum Schutz von Nutztieren vor Wolfsangriffen.
Johannes Stölzle ist bewusst, dass seine Maturaarbeit den normalen Rahmen sprengt, zumal er gerade in den praktischen Teil – den Bau einer Drohnenplattform – viele Zusatzstunden investiert hat. Die Projektidee dazu ist bereits 2024 entstanden, als die wachsende Wolfspopulation in den Alpen politische Diskussionen geschürt hat, zu denen Johannes Stölzle einen konkreten Lösungsansatz beitragen wollte.
KI trainiert, Tiere zu identifizieren
Mit einer Maschine-Learning-Pipeline (ML) hat er zunächst eine künstliche Intelligenz darauf trainiert, Tiere mittels Luftbild-Videostreams zu identifizieren, was ihm gelungen ist. Herausfordernder gestaltete sich dann die Programmierung der gelieferten Drohne (duckiedrone), weil diese Fehleranfälligkeiten aufwies, die Johannes Stölzle für die eigene Anwendung erst beheben musste. Dennoch – oder auch gerade deswegen – wurde ihm für den Bau der Drohnenplattform von seinem Betreuer, Informatiklehrer Tom Hofmann, «die Beherrschung unterschiedlichster Fähigkeiten» attestiert, und zwar sowohl im «elektrischen, programmiertechnischen und mechanischen» Bereich, sodass «Teile eines vollautonomen Drohnenwächters» entworfen werden konnten.
Wenngleich Johannes Stölzle auf sein erbrachtes Ergebnis zurecht stolz ist, regt er an, dieses im Rahmen der Matura Talenta IT (Informatik/Technik) weiterzuentwickeln, wofür ihm als künftiger Maschinen-Bau-Student an der ETH die Zeit fehlen wird.
Lob für Unterstützung im Rahmen der Talenta IT
Ausserdem würde er es sehr begrüssen, wenn für die anfallenden Materialkosten ein Sponsoring zur Verfügung stände. Die Unterstützung im Rahmen der Talenta IT lobt er aber durchwegs, da ihm einerseits die notwendigen Fertigkeiten in den Bereichen Programmierung und Elektronik vermittelt worden sind, um eine solch komplexe, vielschichtige Arbeit zu erstellen, er andererseits durch den Zugang zum «Makerspace» die notwendige Ausrüstung benutzen konnte.
Gelernt hat Johannes Stölzle anhand seiner Maturaarbeit sehr vieles, das er auch sehr gut zu reflektieren vermag – und natürlich hat er einen wichtigen Beitrag zu einem aktuellen Problem geleistet, wie er es beabsichtigt hat.
Mélanie Deiss
Im Sommer 2026 prämierte die Stiftung Think Tank Thurgau erneut herausragende Maturaarbeiten. Der erste Rang geht dieses Jahr an einen Schüler der Kantonsschule Romanshorn.
Die Jury zeichnete Johannes Stölzle für seine innovative Arbeit zum Schutz von Nutztieren vor Wölfen aus. Seine Idee: Eine KI-gestützte Drohne erkennt Wölfe aus der Luft, folgt autonom einer Herde und reagiert im Ernstfall, während gleichzeitig der Hirte informiert wird. Die Jury würdigte diesen Ansatz als wegweisend − auch mit Blick auf mögliche Anwendungen im Thurgau als Standort für Agrar-Robotik.
Den zweiten Platz belegte Isabelle Seiler (KS Frauenfeld), die die Ausweisung von Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg im Thurgau untersuchte und dabei mit bislang wenig beachteten Quellen aus dem Staatsarchiv arbeitete.
Auf dem dritten Rang folgen Nils van Kampen und Tobias Brack (beide KS Kreuzlingen). Van Kampen entwickelte eine KI-App zur Unterstützung von Menschen mit Sprachbeeinträchtigungen, Brack forschte zu Bakteriophagen als Alternative zu Antibiotika.
Adrian Fischer, Stiftungsrat Think Tank Thurgau / Redaktion
