Strandrasen – ein Thurgauer Naturjuwel

  05.05.2026 Kultur&Natur, Romanshorn, Salmsach, Uttwil

Was am Ufer des Bodensees wächst, findet man nirgendwo sonst auf der Welt: den Strandrasen. Er besteht aus Pflanzen, die perfekt an den schwankenden Wasserstand des Bodensees angepasst sind. Sie sind klein, zäh und überstehen selbst längere Überflutungen unbeschadet. Doch das Thurgauer Naturjuwel gerät immer mehr unter Druck.

Auf den ersten Blick bestehen die Kiesflächen am Bodenseeufer nur aus Sand und Steinen, doch für den Strandrasen ist der eher nährstoffarme sowie spärlich bewachsene Untergrund ideal. Und so wächst hier ein einzigartiges Naturjuwel, das häufig übersehen wird, denn zwischen Steinen und Gras fallen die teils nur fünf Zentimeter hohen Pflanzen kaum auf.

Für den Schutz der Pflanzen, die am Thurgauer Bodenseeufer wachsen, ist das Amt für Raumentwicklung verantwortlich. Eine Aufgabe, die sich nur in Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern und Seeanstösserinnen erfüllen lässt. In Münsterlingen waren diese gestern zu einer informativen Uferbegehung eingeladen. «Wir möchten sie vor Ort sensibilisieren und ihnen einerseits aufzeigen, warum der Strandrasen so besonders ist und andererseits, was sie zu seinem Schutz tun können», sagte Andrea Näf-Clasen, Leiterin des Amts für Raumentwicklung.

Mensch und Umwelt setzen dem Strandrasen zu
Unterstützt wird das Amt für Raumentwicklung dabei von den beiden Fachpersonen Irene Strang und Jens Armbruster. Strang beschäftigt sich schon lange mit dem Strandrasen und dokumentiert auch sein Vorkommen entlang des Thurgauer Bodenseeufers. «Es zeigt sich, dass sich die Situation für den Strandrasen in den vergangenen Jahren weiter verschärft hat», sagte die Biologin. Die Gründe dafür sind vielfältig: Veränderte Wasserpegel begünstigen das Eindringen hoher Gräser, welche den Strandrasen verdrängen, die zunehmende Erosion und die Überlagerung mit Schwemmgut setzen ihm zu und auch der Mensch trägt zum Verschwinden der empfindlichen Pflanze bei. Unter anderem zerstört das Befahren der Ufer mit schwerem Gerät den wertvollen Lebensraum, das Lagern von Booten im Uferbereich kann die seltenen Arten zum Absterben bringen und auch die zunehmenden Freizeitaktivitäten am Seeufer setzen den Strandrasen unter Druck.

«Im Umkehrschluss kann jede und jeder etwas tun, um den Strandrasen zu schützen», sagte Rolf Niederer, Teamleiter der Abteilung Natur und Landschaft. So helfe es nur schon, wenn man keine Lagerfeuer am Ufer entzündet – ausser in den dafür vorgesehenen, festen Feuerstellen – und beim Rückgang eines Hochwassers das anfallende Schwemmgut vorsichtig entfernt. Auch vorausschauendes Handeln sei wichtig: «Wer einen Uferabschnitt für Bau- oder Unterhaltsarbeiten befahren muss, spricht sich am besten vorgängig mit dem Amt für Raumentwicklung ab», fügte er hinzu. «Auf diese Weise können wir auf allfällige Flächen mit Strandrasen hinweisen und gemeinsam eine Lösung finden.»

Die vier Charakterarten des Strandrasens
Am Thurgauer Bodenseeufer kommen folgende stark gefährdete Arten des Strandrasens vor:

  1. Das Bodensee-Vergissmeinnicht blüht von April bis Mai und kommt abgesehen vom Bodensee weltweit nur noch mit wenigen Exemplaren am Starnberger See (Bayern) vor.
  2. Die Bodensee-Schmiele blüht von Mai bis Juli und ist ein Süssgras, das statt Samen auch direkt neue Graspflänzchen ausbilden kann. Die Art existiert weltweit nur noch am Bodenseeufer.
  3. Der Strandling blüht von Ende April bis Juni und kann mit seinen schmalen, grasartigen Blättern dichte Rasen bilden. Er ist eng mit dem Spitz- und Breitwegerich verwandt.
  4. Der Ufer-Hahnenfuss blüht von Mai bis Juni sowie im Herbst und vermehrt sich hauptsächlich über lange Ausläufer, an deren Enden eine kleine, gelb glänzende Blüte sitzt.

Weitere Informationen sind online zu finden: Strandrasen am Thurgauer Bodensee.

Amt für Raumentwicklung Kanton Thurgau


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