Über Umwege zum Obstbauern
12.08.2026 WirtschaftErnst Züllig betreibt mit seiner Frau Regina und seinen Söhnen einen Obstbaubetrieb in Oberhäusern, Romanshorn. Dieses Jahr durften sie bei der Ostschweizer Edelbrandprämierung zum siebten Mal in Folge die Auszeichnung für ihren «Oberhüserer Birnenbrand» entgegennehmen. Gästebewirtung, Hofladen, Festzeltvermietung und Milchkontrolle sind weitere Betriebszweige.
Obwohl Ernst Züllig auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, war sein Berufswunsch vorerst nicht Landwirt. Ihr Landwirtschaftsbetrieb in Hungerbühl in der Gemeinde Salmsach, bot keine Perspektiven. Sein Vater betrieb Milchwirtschaft und Obstbau, konnte aber den Stall aufgrund der engen Platzverhältnisse auf dem Hof nicht vergrössern.
Ernst machte eine kaufmännische Lehre und arbeitete anschliessend bei der OBI, Bischofszell. Angestellt für den kaufmännischen Bereich, wurde er aber schliesslich fast in allen Sparten eingesetzt. In dieser Zeit entdeckte er die Freude am Obstbau. 1986 absolvierte er den Obstbaufachkurs am Arenenberg. Weitere Berufserfahrung sammelte Ernst Züllig bei Erich Dickenmann in Ellighausen. Dort lernte er Obstbäume zu veredeln und aufzuziehen.
Viereinhalb Jahre lang arbeitete er als Allrounder bei der Obstverwertung Märwil AG, Abteilung Landesprodukte und Tafelobst. Es ergab sich dann die Möglichkeit, den Landwirtschaftsbetrieb seines Onkels mütterlicherseits in Oberhäusern, Romanshorn, zu erwerben. Der Betrieb war aber zu jener Zeit noch verpachtet und Ernst Züllig ermöglichte dem Pächter, diesen bis zu dessen Pensionierung weiterzuführen. Er konnte aber bereits eine Obstanlage errichten und bewirtschaften. Auch auf dem elterlichen Betrieb in Hungerbühl pflanzte er ebenfalls neue Obstanlagen. Dann, 1997, erfolgte die Bewirtschaftung seines Betriebes in Romanshorn. Bevor er dorthin zog, renovierte er das 400 Jahre alte Bauernhaus.
Spezialisiert auf Tafelbirnenanbau
Zu Beginn produzierte Ernst Züllig Tafeläpfel und Tafelbirnen. Im Lauf der Zeit stellte er komplett auf Tafelbirnen der Sorten Conference, Williams, Kaiser Alexander und Frühbirnen um. Weiter hat er noch Ackerfelder und Hochstammbäume. Beim Rundgang durch die Birnenanlage sieht man, dass die Früchte gesund aussehen. Die Blätter bei den Conference-Birnen sind jedoch teilweise vertrocknet. Züllig vermutet, dass dies von der Hitze ist. Er hat die Anlagen mit Regenwasser gewässert. Im Moment sieht es nach einer guten Ernte aus, er hofft aber schon, dass bald einmal eine Regenperiode einsetzt.
Leidenschaft Birnenbrand
Alle Tafelbirnen liefert Züllig an die Tobi Seeobst AG. Eine grosse Passion ist die Herstellung von «Oberhüserer Birnenbrand». Dazu verwendet er ausgereifte, erlesene Tafelbirnen. Mit einer Handmühle werden die Früchte zerkleinert und in grossen Kunststoffbottichen gelagert. Während des Vergärens müssen sie regelmässig umgerührt werden. Sobald der Gärungsprozess beendet ist, werden die Fässer luftdicht verschlossen.
Im November bringt Ernst Züllig die Fässer zur Mosterei Möhl, wo das Brenngut destilliert wird. Für ihn ist es noch immer faszinierend, dass aus der Birnenmaische ein so klares, hochwertiges Endprodukt hergestellt werden kann.
2014 reichte Ernst Züllig eine Probe seines Birnenbrandes für die Schweizer Spirituosenprämierung «DistiSuisse» ein − und gewann die Silbermedaille. Bei der Ostschweizer Edelbrandprämierung hat er bis jetzt siebenmal teilgenommen und durfte jedes Mal eine Auszeichnung nach Hause nehmen. Das ist nicht selbstverständlich und es erfüllt ihn mit Stolz, mit seinem Produkt eine solche Konstanz zu erreichen.
Gastgeber im 400 Jahre alten Keller
Auf dem Hof verkaufen Zülligs ihre eigenen Produkte. Die Palette reicht von Birnenbrand, Süssmost – mit diesem gewinnen sie auch immer wieder Preise – über Saisonfrüchte, Nüsse, Dörrbirnen bis zu Brennholz. Weiter sind sie mit ihren Edelbränden an Weihnachtsmärkten anzutreffen. Zülligs sind auch Gastgeber und bewirten ihre Gäste im historischen Keller, wo ihr Birnenbrand lagert, aber auch auf dem Hofareal. Sei es ein gemütlicher Apéro oder Gebratenes vom originellen Mostpressengrill, gemütliche Stunden sind garantiert, da Ernst Züllig auch viel Interessantes zu berichten weiss.
Ursi Piechl
Neben seinen Arbeiten auf dem Hof engagiert sich Ernst Züllig zugunsten lokaler Institutionen und auch als Präsident des Verbandes Thurgauer Moster. Die Tätigkeit als Stiftungsrat des Wohnheims Lerchenhof in Homburg widerspiegelt auch seine soziale Ader. Die Motivation, sich für das Wohl von schwächeren Menschen einzusetzen, habe er vermutlich von seiner Mutter geerbt, bemerkt Ernst Züllig.


